Schubladen-Denker

Die Politik und die Gesellschaft nennt sie Wirtschaftsflüchtlinge. Menschen die für Geld ihre Heimat verlassen. Aber es kommen auch Menschen, die durch das, was sie bei uns lernen, ihrem Land helfen wollen, damit es sich weiterentwickeln kann.

Die Politik und die Gesellschaft nennt sie Wirtschaftsflüchtlinge. Menschen, die nicht aus der direkter Not sondern aus Perspektivgründen ihr Heimatland verlassen. Allein durch die Zahl, dieser sogenannten “Wirtschaftsflüchtlingen“, müsste die Allgemeinheit doch langsam erkennen, dass in der Welt, irgendetwas komplett aus dem Ruder läuft. Für mich war es immer absolut unverständlich, wie jemand aus Geldgründen, seine Heimat, seine Familie, seine Freunde, seine Normalität und seine Kultur, aufgeben kann. Für Geld alles hinter sich lassen.

Ist es nicht schockierend, das die Wertigkeit von Geld über allem steht? Es ist nicht nur schockierend, es ist einfach nur unfair! Womit habe ich es verdient, in einem Land zu leben, in dem niemand hungern muss, wo sich um alle gekümmert wird, wo es friedlich ist, wo eine Demokratie auch eine Demokratie ist…. etc. Ich könnte hunderte Punkte aufzählen. Denn wenn wir ehrlich sind haben wir alles. Es gibt viele zu viele Menschen, die mit allem unzufrieden sind. Doch wir haben ein funktionierendes Sozialsystem.

 

  • Wir werden krank -> wir können immer zum Doktor.
  • Wir müssen operiert werden-> die Krankenkassen sind immer da.
  • Wir werden arbeitslos-> wir bekommen finanzielle Unterstützung.
  • Wir suchen ein neuen Job-> wir haben jemanden der unser hilft ein neuen zu beschaffen.
  • Wir arbeiten-> wir werden bezahlt.
  • Wenn wir nicht mehr arbeiten können-> werden wir finanziell unterstützt.
  • Wir haben eine Justiz die nicht korrupt ist.

Ich weiß selber, das alles nicht perfekt läuft und auch in Deutschland nicht alles Fair verteilt ist. Doch hier ist nichts von dem.

Womit haben wir diesen Luxus verdient und die Leute hier nicht. Die Leute hier haben gar keine Chance richtig Fuß zu fassen weil es keinen Staat gibt, der für die Bürger da ist.

Wer Arbeit hat, wird, wenn er überhaupt bezahlt wird, schlecht bezahlt. Aber es ist niemand da um für denjenigen einzustehen und sie zu unterstützen. Keiner der einem hilft den rechtmäßigen Lohn zu bekommen.

Das gleiche bei Krankheiten. Hier im Hospital kommen täglich Kinder mit starken Fehlstellungen der Gliedmaßen. Es ist zum Teil echt erschreckend und grausam, was ich hier sehe. Diesen Kindern muss geholfen werden.

Die Leistungen, die nötig für das Kind sind, müssen hier komplett selber bezahlt werden. Die Preise, die wir hier im Krankenhaus für die Hilfsmittel nehmen, liegen deutlich unter dem Wert davon, denn sonst könnte sie keiner bezahlen. 70-200 GHC (12-40€) für ein Paar Schuhe oder 200-400 GHC (40-80€) für ein Paar Schienen. Das ist hier so unglaublich viel Geld. Oft geben die Familien ihr komplettes Vermögen für die dringend benötigten Hilfsmittel aus. Menschen mit Einschränkungen haben nicht ein Hauch einer Chance.

Es wird immer auf ein Wunder, durch Gott, gehofft. Angefangen wird in der Kirche, wo der Pastor dafür bezahlt wird, um für das Wohl des Kindes zu beten. Doch beten allein ändert nichts. Das versuche ich allen klar zu machen.

Wenn wir ein Problem in der Politik sehen, dann erwarten wir auch die Lösung durch die Politik. Wir erkennen das Problem durch Wirtschaftsflüchtlingen aber von wem erwarten wir die Lösung? Wir müssen sie von niemand anderen erwarten, als von uns selber. Wir leben im Überschuss, wir haben alles. Wir müssen hier helfen. Denn der Zustand, der hier herrscht, ist so, wegen uns. Durch die lange Unterdrückung Afrikas durch Europa und Amerika hat hier keine wirkliche Entwicklung stattgefunden. Es war nur die Zeit, die immer parallel mitgelaufen ist, doch der Rest war immer mindestens um 100 Jahre hinter uns. Es ist wie jemand, der unschuldig im Gefängnis ist. Die Zeit geht weiter doch er persönlich entwickelt sich nicht weiter. Wir schieben das auf die damalige Zeit und denken, dass wir, in der Gegenwart, gar nichts dafür können.

Doch hier ist die Vergangenheit, Wirklichkeit. Und es liegt an uns, dass sich hier was ändert! Denn wir sehen das Problem in den Wirtschaftsflüchtlingen. Und von nichts tun, ändert sich nichts!

Doch es sind nicht die ganzen Finanzspritzen, die benötigt werden. Es ist unser Wissen!

Unser Wissen ist es, was den Unterschied macht. Die Menschen hier sind weder dümmer, schlauer, fauler, fleißiger o.a. als wir. Alles ist komplett gleich. Nur hat hier keiner die Chance auf das Wissen. Wenn sich das ändern kann, dann wird die Welt ein besserer Ort, mit weniger Menschen, die aus Perspektivlosigkeit flüchten.

Es muss nicht jeder hier runter kommen, um sich hier zu engagieren. Doch jeder kann was ändern, in dem er die Lage der Menschen sieht, die nach Deutschland kommen. Nicht jeder ist ein Schmarotzer, der nur wegen Arbeitslosengeld kommt.

Es kommen auch Menschen, die durch das, was sie bei uns lernen, ihrem Land helfen wollen. Vielleicht sollten wir damit anfangen, die Sicht auf diese Menschen zu ändern. Es ist an jedem selber, wie er sich dem Thema gegenüber stellt. Doch jeder, der das nur akzeptiert und denkt das er selber nichts ändern kann, liegt falsch. Wir müssen aufhören die Augen zu verschließen und die Lösung, der Probleme, durch andere zu erwarten.

Jeder hat das Potential was zu verändern. Wir haben die Chance unser Potential zu nutzen, damit das Potential hier nicht verschwendet wird. Keiner allein kann die Welt verbessern. Doch jeder kann sein Teil dazu Beitragen.

Ich hoffe dir ist das bewusst.

Macht’s gut und verbringt nicht zu viel Zeit damit, über alles und jeden zu schimpfen. Sondern seht das, was ihr habt. Das macht unglaublich glücklich.

Euer Kofi

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